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Colline di Sopra

Ulrich Ziegler mag keine halben Sachen. Lieber denkt er weit, tief und gross. Aber nicht lautstark, eher locker. Mit einem Lächeln im Gesicht und nach der Suche, die ihn 30 Jahre beschäftigt hat, stürtzt er sich im Pensionsalter ins Wein-Abenteuer seines Lebens. In Mittagshitze. Juli. Montescudaio. Costa Toscana. Die Läden sind dicht. Das Dörfchen leer. Vor vierzig Jahren war Montescudaio in Weinkreisen bekannt, Bolgheri nicht. Heute ist das Gegenteil der Fall. Beste Voraussetzungen für einen wie Ulrich Ziegler (64). Aber eben. Step by step. «Ich habe 30 Jahre nach einem Weingut gesucht», erzählt er und fügt an, dass er eigentlich in Deutschland fündig geworden sei. «Kurz vor dem Notartermin bekam ich allerdings Zweifel.» Abgewunken habe er. Seinen Traum habe er langsam zu begraben begonnen. Bis zum Tag, an dem der Anruf kam. Und dann, nach einer kurzen Stippvisite, ging alles schnell. «Der Ort hat mich berührt, und irgendetwas hat mich magisch angezogen», sagt er. Das war 2015. Im Frühling 2016 besiegelte er den Kauf des 2006 gegründeten Weingutes Colline di Sopra in der sagenhaften DOC Montescudaio. Der Ort strahle Ruhe aus. Sagt er. Doch seit er da ist, bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. «Ich wollte ein bestehendes Weingut, das zu mir passt, das ich weiter aufbauen kann, an einem Ort mit Potential. So wurde ich rasch in die Weinbereitung des Jahrgangs 2015 einbezogen», sagt er noch; aber mehr noch nicht. «Ein guter Wein muss zeigen, dass etwas an ihm anders ist. Er muss ein Lächeln ins Gesicht bringen», fügt er an. Klingt nach Kitsch. Aber es funktioniert. Und das könne er beweisen. Als ob es nicht schon Beweis genug wäre, dass ein mit allen Weinen gewaschener Reto Vergani kurzerhand einen Quattroporte des Autopartners Maserati testete, um die Strecke von der Zentralstrasse 141 an die Via delle Colline 17 schnell und entspannt hinter sich zu bringen.  Da stehen wir nun, während Ulrich Ziegler bereits drei Schritte weiter ist. 50 Hektar hat er dazuerworben, in Montescudaio, auf der anderen Hügelseite des Weingutes. 12 Hektar davon, mit Blick aufs Meer, konnten bereits mit Reben bestockt werden. «Bonanza», sagt Vergani. «Monte Petruzzi», sagt Ziegler. «Der Boden ist eisenhaltig, nord-westliche Richtung, die alten Bauern haben bekräftigt, das sei das beste Land im Ort. Zehn Kilometer vom Meer entfernt», sagt Ziegler, und wer ihn kennt, weiss, dass er akribisch auch Bodenanalysen ausgewertet hat. Die neuen Reben stehen. Im untersten Teil, auf 50 Metern über Meer, liess er auf zwei Hektar Viognier pflanzen. Bis auf den obersten Teil, auf 120 Metern über Meer, kamen Syrah, Merlot, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot zu stehen. «Unglaublich », sagt Vergani. «Die Abendsonne?», fragt Ziegler. Einsteigen. Weiterfahren. «Vor einem Jahr habe ich meine Unternehmung, die Specken Drumag Gruppe, verkauft, jetzt lebe ich hier und mache die Sache fertig. Fertig heisst, dass es nie fertig ist, aber genau das macht mir Spass», erzählt er auf dem Weg zur nächsten Reblage. Mit 64 und nach einer internationalen Karriere kommt für ihn der Ruhestand nicht infrage. Aber für wen macht er das eigentlich? «Für mich», sagt er wie aus der Pistole geschossen, er habe ja noch ein paar Jahre zu leben und da wolle er noch etwas bewegen, anpacken. «Ich baue etwas für die nächsten 30 Jahre auf», sagt er und fügt an, dass seine Eltern schliesslich 90 Jahre alt seien und ja, nun ja. Am Fusse des zweiten «neuen» Rebberges ist der Boden ein anderer. Lehm. Sand. 7 Hektar. Cabernet Franc. Cabernet Sauvignon. Petit Verdot. «Im Januar gekauft», sagt er, und so langsam beginnt man ob seinem schwindelerregenden Tempo zu staunen, denn der Bau einer neuen Weinkellerei steht an. Zehn Meter tief. Strahlenfreier Barrique-Keller. Modernes Design. «Einmalig», so Ziegler. Investitionen so far? Ziegler zeigt sich bedeckt: «Es kostet jedes Jahr. Immer geht etwas kaputt.» Die Zehn-Millionen-Franken- Grenze wird er bald knacken. Auch weil im Juli dieses Jahres noch ein weiterer Rebberg, diesmal 8 Hektar, dazukommt. «In 5 Jahren werden wir also verdammt viel zu tun haben», resümiert er. Vor allem, wenn man weiss, wie hier gearbeitet wird. Biodynamisch. In Handarbeit. Mit gezielten Einsaaten. Rigoroser Selektion im Rebberg. Dynamisierung. Mondphasen. Et cetera. «Ich will gesunde Weine trinken, und meinen Mitarbeitenden mag ich Rückstände nicht zumuten», sagt er. Und noch etwas zum Thema Handarbeit: «Letzten Herbst stand auch ich vier Wochen am Vibrationstisch und habe Trauben ausgemustert. Das mache ich nicht mehr mit! Jetzt habe ich eine optische Selektionsmaschine gekauft», sagt er. Den folgenden Satz bräuchte er nicht mehr hinzuzufügen. «Heute sagen die Leute, wir hätten nach vier Jahren das beste Weingut in Montescudaio geschaffen. Dass das so schnell geht, ist man sich hier nicht gewohnt», erzählt er, und da ist es. Das Lächeln im Gesicht. «Wir nehmen die Sachen in die Hand und machen. Diskutieren? Ja. Überlegen. Ja. Und dann: Machen.» Zum Glück sei Gianluca Matia, der langjährige Kellermeister, der in der Region alle bestens kennt, auf derselben Linie, denn nicht nur die Rebfläche (sie wirdsich bis Ende Jahr auf circa 30 Hektar belaufen), auch das neunköpfige Team wächst, und die Mitarbeitenden sind Ulrich Ziegler enorm wichtig. «Ich habe eine Firma im Bereich Fluidtechnik und Elektronik mit 200 Angestellten aufgebaut, und als gelernter ETH-Agronom habe ich keine Angst, dass wir Colline di Sopra nicht ordentlich führen können», sagt er und fügt entspannt hinzu: «Entscheidend ist aber nicht nur das Terroir.» Er kommt ins Erzählen: «Als ich ankam, sah ich die sechs Traubensorten und degustierte sie aus dem Tank. Ich merkte sofort, dass ich etwas anderes machen wollte. Keinen Blend. Der Önologe ist ausgerastet und hat seinen Job hingeschmissen. Seither mache ich das selber. Das geht, du musst einfach wissen, was du machst und was du willst. Ich bin kein Bordeaux-Fan, darum will ich auch nicht an einem Blend herumbasteln. Lieber versuche ich, mit den einzelnen Traubensorten zu arbeiten und das zu nehmen, was die Sorte bietet. Das macht hier niemand», erklärt er. Und wir sprechen von: Sangiovese, Merlot, Syrah, Cabernet Franc, Petit Verdot, Cabernet Sauvignon, Viognier und Roussanne. Im Keller sind sie alle gleich, sprich, Ziegler möchte sie mehr oder weniger gleich ausbauen, und so entstehen sortenreine Weine voller Tension und Kompaktheit. Konzentriert, aber nicht üppig, keine schwerfälligen Alkohol- und Tanninbomben also. «Lieber mag ich den Burgunderstil implementieren», erklärt er, aber das sagt sich leicht. «Nach meiner Studienzeit konnte ich bei DRC und in der Domaine Leroy unter der Anleitung von Lalou Bize-Leroy arbeiten. Das übertrage ich jetzt, 35 Jahre später, in die Toscana», fügt er an, ganz unbescheiden. Im blitzblanken Keller versteht man ihn, auch wenn er murmelt: «Kaltmazeration. Circa 25 Tage Mazerationszeit. Abstich. Keinen Presswein. Neue Icône-Barriques von Seguin Moreau. Batonage. 2 Jahre. Schwefel erreicht den Wein erst danach, kurz vor dem Abfüllen und minimal.» Und die Weissweine? «Es ist anspruchsvoll, hier gute Weissweine herzustellen. Ich mag keine süffig ausgebauten Vertreter, ich liebe weisse Burgunder und die Weissweinstilistik des Rhônetals. Weissweine mit Potential. Viognier ist im Kommen, mit einer halben Hektare Roussanne machen wir erste Gehversuche», erklärt er mit der Pipette in der Hand. Wir schwenken die Gläser. Und verstehen das Geheimnis immer noch nicht ganz, wie diese natürliche Konzentration so frisch daherkommen kann. Im Durchschnitt werden weniger als 3 dl Wein pro Quadratmeter hergestellt. «Diese Ertragsmenge kann man mit einem grossen Chambertin vergleichen», so Ziegler. Ist es das, was er gefunden hat? Balance?

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Colline di Sopra

Ulrich Ziegler does not like half measures. He prefers to think wide, deep and big. But not loudly, rather loosely. With a smile on his face and after 30 years of searching, he has now reached retirement age and throws himself into the wine adventure of his life.

 

In the midday heat. July. Montescudaio. Costa Toscana. The shops are closed. The village is empty. Forty years ago Montescudaio was known in wine circles, Bolgheri wasn't. Today the opposite is true. Best conditions for someone like Ulrich Ziegler (64). But just so. Step by step. "I spent 30 years looking for a winery," he says, adding that he actually found one in Germany. "Shortly before the notary appointment, however, I began to have doubts. He turned it down. He has slowly begun to bury his dream. Until the day the call came. And then, after a brief stopover, everything went quickly. "The place touched me, and something magically attracted me," he says. That was 2015, and in the spring of 2016 he sealed the purchase of the Colline di Sopra winery, founded in 2006, in the legendary DOC Montescudaio. The place radiates peace and quiet. So he says.

But since he has been here, no stone has been left upon another. "I wanted an existing winery that suited me, that I could continue to build, in a place with potential. So I was quickly involved in the vinification of the 2015 vintage," he says, "but nothing more. "A good wine must show that there is something different about it. It must bring a smile to the face," he adds. Sounds like kitsch. But it works. And he could prove it. As if it wasn't proof enough that a Reto Vergani, washed with all the wines he could drink, unceremoniously tested a Quattroporte from the Maserati car partner to get from central road 141 to Via delle Colline 17 quickly and in a relaxed manner. Here we are, while Ulrich Ziegler is already three steps further on. He has purchased 50 hectares of land, in Montescudaio, on the other side of the hill from the winery. 12 hectares of it, overlooking the sea, have already been planted with vines. "Bonanza," says Vergani. "Monte Petruzzi", says Ziegler. "The soil is ferruginous, north-west direction, the old farmers have affirmed that this is the best land in the place. Ten kilometres from the sea," says Ziegler, and anyone who knows him knows that he has also meticulously evaluated soil analyses. The new vines have been planted. In the lowest part, at 50 meters above sea level, he had Viognier planted on two hectares. Except for the uppermost part, at 120 metres above sea level, Syrah, Merlot, Cabernet Sauvignon and Petit Verdot were planted. "Incredible", says Vergani. "The setting sun?" asks Ziegler. Get in. Drive on. "A year ago I sold my business, the Specken Drumag Group, now I live here and finish the job. Finished means it's never finished, but that's exactly what I enjoy doing," he says on the way to the next vineyard.

 

 

At 64 and after an international career, retirement is out of the question for him. But who is he actually doing it for? For me", he says like a shot, "he still has a few years to live and he wants to make a difference, to tackle something. "I'm building something for the next 30 years," he says, adding that his parents are 90 years old after all, and yes, well. At the foot of the second "new" vineyard, the soil is different. Loam. Sand. 7 hectares. Cabernet Franc. Cabernet Sauvignon. Petit Verdot. "Bought in January," he says, and slowly you begin to be amazed by its dizzying pace as a new winery is being built. Ten metres deep. Radiation-free barrique cellar. Modern design. "Unique," says Ziegler. Investments so far? Ziegler is covered: "It costs every year. Something always breaks." He'll break the ten million-franc barrier soon. Also because in July this year another vineyard, this time 8 hectares, will be added. "So in five years we'll have a hell of a lot to do," he sums it up. Especially if you know how people work here. Biodynamic. By hand. With targeted sowing. Rigorous selection in the vineyard. Dynamization. Moon phases. Et cetera. "I want to drink healthy wines, and I don't want my employees to be left behind," he says. And something else on the subject of manual work: "Last autumn I also spent four weeks at the vibration table sorting out grapes. I'm not going through that any more! Now I've bought an optical selection machine," he says. He does not need to add the following sentence. "Today people say that after four years we have created the best vineyard in Montescudaio. People here aren't used to this happening so quickly," he says, and there it is. The smile on his face.

 

 «A good wine must show that something about it is different

Ulrich Ziegler, Winemaker

 

"We'll take things in hand and we'll do Discuss? Yes. Think. Yes. And then do. Fortunately, Gianluca Matia, the long-standing cellar master who knows everyone in the region very well, is on the same line, because not only is the vineyard area growing (it will amount to about 30 hectares by the end of the year), but the nine-strong team is also growing, and the employees are extremely important to Ulrich Ziegler. "I have built up a company in the field of fluid technology and electronics with 200 employees, and as a trained ETH agronomist, I am not afraid that we will not be able to manage Colline di Sopra properly," he says and adds in a relaxed manner: "But it is not only the terroir that is decisive. He gets into the story: "When I arrived, I saw the six grape varieties and tasted them from the tank. I immediately realized that I wanted to do something else. No blending. The oenologist went crazy and quit his job. I've been doing it myself ever since. You just have to know what you're doing and what you want. I'm not a Bordeaux fan, so I don't want to tinker with a blend. I'd rather try to work with each grape variety and take what the variety offers. Nobody here does that," he explains. And we are talking about: Sangiovese, Merlot, Syrah, Cabernet Franc, Petit Verdot, Cabernet Sauvignon, Viognier and Roussanne. In the cellar, they are all the same, in other words, Ziegler wants to develop them more or less the same way, and so the result is varietal wines full of tension and compactness. Concentrated, but not opulent, no cumbersome alcohol and tannin bombs. "I'd rather implement the Burgundy style," he explains, but that's easy to say. "After my studies, I was able to work at DRC and at the Domaine Leroy under the supervision of Lalou Bize-Leroy. Now, 35 years later, I'm transferring that to Tuscany," he adds, quite immodestly.

In the shiny cellar you can understand him, even if he mumbles: "Cold maceration. About 25 days of maceration. Tapping. No pressed wine. New Icône barriques from Seguin Moreau. Batonage. Two years. Sulphur only reaches the wine afterwards, just before bottling and minimal." And the white wines? "It's demanding to make good white wines here. I don't like palatable wines, I love white Burgundies and the white wine style of the Rhône Valley. White wines with potential. Viognier is on the rise, with half a hectare of Roussanne we are taking our first steps", he explains with the pipette in his hand. We swivel the glasses. And we still don't quite understand the secret of how this natural concentration can come across so fresh. On average, less than 3 dl of wine is produced per square meter. "You can compare this yield with a large Chambertin," says Ziegler. Is that what he found? Balance?

Text: Andrin Willi | Picture: Lukas Lienhard | Source: Edizione Vergani 12

 

 

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